11. Offenes Forum der National Coalition
„Die Rechte des Kindes im deutschen Schulwesen“

Am 11./12. November 2005 fand im Berliner Abgeordnetenhaus das 11. Offene Forum der National Coalition für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland zum Thema: „Die Rechte des Kindes im deutschen Schulwesen“ statt.

Die National Coalition für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland (NC) hatte bereits im Sommer d. J. das Diskussionspapier „Die Rechte des Kindes im Deutschen Schulwesen“ veröffentlicht. Die hier formulierten „Bildungsthesen“ verfolgten das Ziel, die gegenwärtige bildungspolitische Diskussion um die notwendige konzeptionelle und strukturelle Weiterentwicklung der Schule durch weithin übersehene rechtliche Gesichtspunkte anzureichern. Diese ergeben sich aus den Staatenverpflichtungen, die die Bundesrepublik Deutschland mit Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention eingegangen ist.
In Deutschlands Schulen werden die Rechte des Kindes zwar vermehrt als Unterrichtsgegenstand behandelt; es wird aber nicht ausreichend beachtet, dass die Strukturen und Arbeitsweisen der Schule den Ansprüchen der UN-KRK gerecht werden müssen. Die Schulpolitik steht vor der Aufgabe, die aus der UN-KRK folgenden Maßgaben aufzuarbeiten und in der Schulgesetzgebung und der Praxis des Schulalltags umzusetzen.


Arbeitsgruppe im Rahmen des
"Offenen Forums im Offenen Forum"
(Foto: © National Coalition)

 
Plenum
(Foto: © National Coalition)

Die im Vordergrund internationaler Kritik stehende Bildungsbenachteiligung durch soziale Ungleichheit ist Ausdruck eines strukturellen Mangels an Chancengerechtigkeit im gegliederten Schulsystem unseres Landes. Die Achtung von Individualität, Eigenaktivität und Selbstbestimmtheit des Kindes ohne jede Diskriminierung unter Berücksichtigung des Vorrangs seiner Interessen bilden einen verpflichtenden Maßstab. Eine konsequente Umsetzung der UN-KRK im Schulwesen bedeutet nicht nur die Stärkung der Rechte von Schülerinnen und Schülern und die in ihnen liegenden Entwicklungspotentiale, sondern die Achtung der Individualität würde die Schule als Bildungseinrichtung leistungsfähiger und effizienter machen.

Auf positive Einzelerfahrungen im Sinne von „Leuchttürmen“, die von eingeladenen Referentinnen und Referenten beim 11. Offenen Forum auch vorgestellt wurden, kann zwar ermutigend zurückgegriffen werden - es muss aus Sicht der NC aber darum gehen, das Schulwesen als Gesamtsystem mit dem kinderrechteorientierten Ansatz zu durchdringen.

Thomas Härtel, Vertreter der Kultusministerkonferenz und Staatssekretär der Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Sport Berlin
(Foto: © National Coalition)

Ziel des 11. Offenen Forums der National Coalition, das am 11. und 12. November 2005 im Berliner Abgeordnetenhaus stattgefunden hat, war es deshalb, alle bei der aktiven Gestaltung der „Lebenswelt Schule“ beteiligten „Akteure“ zusammenzurufen und die o.g. Bildungsthesen zu diskutieren. Die Veranstaltung richtete sich an Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Akteure der Kinder- und Jugendhilfe und die politischen Verantwortungsträger. Sie alle sollten ermutigt und motiviert werden, die Rechte des Kindes im Deutschen Schulwesen zu stärken, indem gemeinsam das Projekt in Angriff genommen wird, das „Gesamtsystem Schule“ zu erneuern.

Den rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde im Rahmen des „Offenen Forums im Offenen Forum“ zum Thema „Kinderrechte machen Schule, das in Form eines zeitlich gesehen „abgespeckten“ Open Space durchgeführt wurde, Raum gegeben das Thema in Arbeitsgruppen aufzugreifen, zu vertiefen und weiterzuentwickeln. Es konnten eigene Themen vorgeschlagen werden und Diskussionsrunden zu diesen eingerufen werden. Des Weiteren bot das Forum die Möglichkeit sich für weiterführende Aktivitäten zu verabreden und künftige Schritte zu planen.
Im „Offenen Forum im Offenen Forum“ wurden insbesondere die folgenden Themenbereiche von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vertieft in den Blick genommen: Das Thema „Macht und Machtverlust in Zusammenhang mit den Kinderrechten“, die „Kooperation von Jugendhilfe und Schule“, „Schulpflicht, Schulrecht und Schulzwang“. Ebenfalls diskutiert wurde das Thema „Kinderrechte als Qualitätsstandard für demokratische Schulen“ und die „juristische Durchsetzbarkeit von Kinderrechten“.

Zum Thema „Kinderrechte in Kindergarten und Schule“ hat sich ein neues Themennetzwerk der National Coalition gebildet. Ein erstes Treffen soll am 08. Februar 2006 (vorauss. in Kassel) stattfinden.
Interessierte können sich über die Geschäftsstelle der National Coalition noch in die Verteilerliste des Themennetzwerkes aufnehmen lassen.